Radierung;
Signiert rechts unten, nummeriert links unten: 51/100;
Plattengröße: 19,8 x 25,2 cm; Leihrahmen;
Die 1922 geschaffene Kaltnadelradierung „Milly in Berlin“ (auch bekannt als „Die süße Peitsche“) des deutschen Künstlers Karl Hubbuch gehört zu den prägnantesten Werken des gesellschaftskritischen Verismus innerhalb der Neuen Sachlichkeit. Das Blatt wird im maßgeblichen Werkverzeichnis unter der Nummer Riester 56 geführt. Die ungeschönte Ikonografie zeigt eine entblößte, vom harten Leben gezeichnete Frau vor einer urbanen Stadtkulisse, in deren Hintergrund eine Gewaltszene angedeutet ist. Hubbuch rückt hier das prekäre Dasein einer gesellschaftlichen Randgruppe in der von Krisen geschüttelten Metropole Berlin der frühen 1920er-Jahre in den Mittelpunkt. Der dramatische Bildaufbau erinnert an das Standbild einer Filmsequenz und zieht den Betrachter psychologisch direkt in das Geschehen hinein. Ähnlich wie in seinem bekannten Werk „Das Giftfläschchen“ fungiert der Künstler auch hier als analytischer Chronist eines moralischen Sittenbildes. Neben den extrem seltenen Probedrucken von 1922 gab die Karl Hubbuch Stiftung im Jahr 1967 eine spätere Edition von 100 nummerierten Exemplaren heraus. Heute gilt die Grafik als ein Schlüsselwerk für das Verständnis der tiefen sozialen Brüche in der Weimarer Republik.
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